Die Zeit der Anderen

 

Stehe seit gefühlten Stunden in einer Warteschlange beim Bäcker. Vor mir ist nur noch eine emsige junge Dame dran. Sie hat so allerlei Fragen zu den veganen Aspekten der Angebote. Ist ganz erstaunt darüber, dass Buttercremetorte Butter enthält. Die Verkäuferin, Typ Lord Extra, zwinkert mir zu. Bin wirklich mordsmäßig hungrig. Träume seit 5.000 Zeichen von einem Fleischwurstbrötchen. Muss nicht unbedingt vegan sein. Ginge zur Not aber auch.

Auf dem Verkaufstresen stehen kleine, hübsch drapierte Gläschen, die schwarzes Salz enthalten. Ein typisches Ruhrgebietsgimmick. Ein Wortspiel mit Kohle drauf. Der Strukturwandel in Bestform. Kohle geht hier immer. Die Dame vor mir findet die Gläschen „unglaublich süß“. Sie fotografiert sie mit dem Handy. Die Menschen in der Schlange hinter uns haben mittlerweile ein Zelt aufgebaut und den Gaskocher angeschmissen. Campingplatzstimmung macht sich breit.

Ich bin kurz vor der Hunger-Ohnmacht. Früher hätte man sich geräuspert. Aber die Generation Instagram ist dagegen immun. Vermutlich hört sie nur Geräusche, die von Smartphones erzeugt werden. Biete mich als Motiv an, könnte mich neben die Gläschen stellen. Vielleicht geht es dann schneller. Frau Lord Extra lächelt. Meine Warteschlangen-Frontfrau versteht mich nicht. Es gäbe Unmengen von Dias, auf denen ich vor dem Eiffelturm stehe, auf Sylt, am Amazonas, vor der Skyline von New York, erkläre ich. So hat man früher fotografiert. „Stell dich mal da hin“, hätte mein Vater immer gesagt und das wurde dann auch gemacht.

Sie lächelt höflich, um sich dann wieder ganz den Salz-Kohle-Gläschen und ihrer künstlerischen Aufgabe zuzuwenden. Unter den Hashtags #saltandkohle #sonice und #founditinfrohnhausen findet man nun vermutlich ganz entzückende Bildchen im Netz.

Ich mache mich jetzt an die Entwicklung einer App. Eine die alle drei Minuten die Anfangsnoten einer Nocturne von Chopin anstimmt und leise flüstert: „Denke daran, du bist von Mitmenschen umgeben. Sie haben Hunger und Durst, Gefühle, eine Familie, die sie durchbringen müssen. Sei freundlich zu ihnen, denn sie kennen nur Facebook und haben noch DVDs im Regal. Und gib die Hoffnung nicht auf: Autismus ist behandelbar.“

Der Autor

Bücher von Jörg Stanko

 

 

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Gibt es Autoren die euch beeinflusst haben? Vielleicht eher Figuren mit Vorbildcharakter: Robin Hood, Snoopy, Alf, Lord Grantham, und natürlich sein Chauffeur.

Interview mit Jörg Stanko & Arnd Rüskamp auf mordsbuch.net

Schon ein paar Tage alt, macht beim Lesen aber immer noch Spaß …

26Aug2016

 Hallo erst mal und vielen Dank, dass ihr euch Zeit nehmt, um meine Fragen zu beantworten 🙂

Mögt ihr den Lesern kurz etwas über euch erzählen?

Jörg: Ich bin 48, habe einen fast erwachsenen Sohn und esse gerne Jägerschnitzel.

Arnd: Ich bin Jäger, wundere mich über das Alter meiner Töchter und fühle mich an schlechten Tagen so wie ich aussehe.

Seit wann schreibt ihr?

Jörg: Seit 2003.

Arnd: Es war wohl 1967, als mich meine erste Grundschullehrerin, Frau Zanzinger, in die wunderbare Welt des ABC entführte.

Wie seid ihr zum Bücher schreiben gekommen?

Jörg: Seit meiner Spätpubertät erfüllt mich ein enormer Drang, die komplizierten Themen des Lebens schlicht und einfach auszudrücken. Da lag Bücher schreiben irgendwie nah.

Arnd: Eine PR-Kundin nötigte mich förmlich, meinte, ich als Journalist könne sicher auch Romane schreiben. Ich zweifelte an ihrem Urteilsvermögen, heute bin ich ihr dankbar.

Ab wann wusstest ihr, dass ihr Autoren werden wolltet?

Jörg: Mit 18, nach dem dritten Café au Lait, auf einer Terrasse mit Blick auf die Cote d’Azur, Hermann Hesses Gedichten und einigen Werken von Heinrich Mann, Ernest Hemingway, Hera Lind und Charles Bukowski im Gepäck.

Arnd: Ernsthaft? Ich fühle mich nicht, wie sich ein Autor, respektive Schriftsteller in meiner Phantasie fühlen könnte. Ich kombiniere journalistisches Handwerk mit irren Ideen. Das ist, was ich kann. Architekt oder König gefiele mir auch.

Welche Bücher habt ihr bisher veröffentlicht?

Jörg: Außer unserer regelmäßigen KRIMMINI-Reihe, einige Romane, darunter den legendären „Männer mit kalten Füßen“ und einige Kinderbücher.

Arnd: Eine Reihe von Reiseführern, Sachbücher, darunter das Begleitbuch zu einer ZDFneo-Reihe, drei Küsten-Krimis bei emons (mit H. Neubauer).

Habt ihr für eure Bücher recherchiert?

Jörg: Ich frag immer erst mal Arnd, der war schließlich lange beim WDR und weiß ganz viel und hat generell ein kriminelles Gemüt. Dann meine Frau. Und wenn es beide nicht wissen, schreib ich um meine Wissenslücken herum.

Arnd: Ich spreche mich mit Jörgs Frau ab. So sind wir auf der sicheren Seite. Nochmal ernsthaft? Ohne Recherche kein Text.

Hier gehts zum vollständigen Interview: mordsbuch.net

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Erster!

BlogJetzt bloggt er auch noch. Jawoll!

Das Schöne am Schriftstellerdasein ist es ja, sein Innerstes nach außen zu kehren und die Mitwelt daran teilhaben zu lassen, wie es sich anfühlt, da drinnen, direkt „im Poeten“ sozusagen, in einem Fein- und Schöngeist. Nun, der dachte gerade unter der Dusche: mach doch mal eine Liste und schreib auf, was für und was gegen einen Blog spricht. Also, dafür: ich kann auf der nächsten Party anführen, dass ich Blogger bin, mir einen lässigen Vollbart stehen lassen und Mädels beeindrucken, über Modetrends in New York schreiben und angesagte Läden im Ruhrgebiet. Und unauffällig weise ich darauf hin, dass ich ja auch Romane schreibe, die noch viel witziger sind, als meine Blogbeiträge … und tiefsinniger, philosophischer, erhabener …

Dagegen: die Fanpost von pensionierten Oberstudienräten, die anbieten, dem Literaten die Kommaregeln beizubringen.

Dafür: Darüber schreiben zu können, wie schön es ist, im Straßencafé zu sitzen und darüber nachzudenken, ob es nun Straßencafé oder Straßen-Café heißt und zu der Meinung kommen: ist mir schnurzpiepe, aber da hab ich doch schon mal wieder ein Thema für meinen Blog.

Dagegen: schwierige Recherchen zum Thema „Der Blog“ oder „Das Blog“; Entscheidung: „Blog“. Mit leichter Bevorzugung von „Das Blog“. Logbuch.

Windstärke 7-12, Windrichtung Nord-Nordwest, ich sehe Moby Dick. Wir sind dicht dran. Das war sein letzter Eintrag. Böser Wal.

Vielleicht doch „Der Blog“.

Dagegen: Fanpost von pensionierten Oberstudienräten, die anbieten, auch weitere Teilgebiete der deutschen Grammatik mit mir einzuüben.

Erinnere mich kurz an meinen Nachhilfelehrer in Mathe. War ein Doktor der Chemie. Hat mir nicht viel beibringen können. Hat mir aber immer vorzügliche Schokolade serviert und selbst reichlich davon gegessen. Faden verloren. Ach ja, bloggen.

Harry Rowohlt ist gestorben. Ganz traurig. Könnte blödes Wortspiel machen: Harry ruht hoffentlich wohl. Lasse ich lieber. Ein bisschen Gemurmel: großes Vorbild, starker Mann des Wortes! Steht auf meiner Vorbilder-Liste ungefähr auf Platz sieben, direkt hinter Pu der Bär. Das war jetzt kalauerverdächtig. Also, noch mal, ganz im Ernst: Ich bin wirklich traurig! Lang lebe Harry Rowohlt! Wir halten dich in Ehren!

So, halbe Seite geschafft, war gar nicht so schlimm. Vielleicht müsste ich noch was Tiefsinniges schreiben. Kann ich aber auch morgen machen. Nehme mir ja vor, regelmäßig zu bloggen.

Doch „Das Blog“! Damit kann man Zeilen füllen: Es regnet. Schon den ganzen Tag. Gestern hat es auch geregnet. Vorgestern? Kann ich mich nicht mehr dran erinnern.

Eindeutig dagegen: Post von pensionierten Oberstudienräten: Herr Stanko, ihr Blog hat keinen Inhalt.

Auch dagegen: die pensionierten Oberstudienräte könnten recht haben. Dilemma. Gehe erst mal Kaffee kochen.