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Endlich! Wir leben ewig! Teil 2

 Gefällt mir überhaupt nicht  Ihr erinnert euch sicher, neulich schrieb ich über einen verstorbenen Freund (Blog „Endlich! Wir leben ewig!“). Heute teilte mir Facebook mit, dass dieser Freund Geburtstag hat. Drüben bleiben die Gepflogenheiten scheinbar so wie hier. Oder man behält zumindest die engeren, persönlichen Jubiläen bei.

Habe daher beschlossen Freund M. per Facebook-Messenger zu schreiben, müsste ja funktionieren.

 Lieber M.,

ich hoffe, es geht dir gut. Bei mir ist alles prima. Das Wetter könnte besser sein! Wie ist es drüben denn so? Habt ihr geregelte Dienstzeiten? Also, ist pünktlich um 17:00 Uhr Schluss mit Halleluja? Oder ist der Alte streng? Dürft ihr Pausen machen? Und was ist mit den Sonntagen? Schick mir Neuigkeiten! Oder hängst du irgendwo im Nirwana rum und schwingst fröhlich vor dich hin? Oder, bist du vielleicht doch bei den ‚Hells Angels’ gelandet? Hoho. Hörst jetzt den ganzen Tag AC/DC. Das täte mir leid. Könnte dir Ohrstöpsel schicken. Mail mir deine neue Adresse! Hab ja immer gesagt: bleib anständig, sei nett zu deinen Mitmenschen. Einmal falsch abgebogen lässt sich schlecht wieder korrigieren…

Herzliche Grüße! J.

P.S. Literatur zum Thema ;-): http://www.amazon.de/dp/3000168362/ref=nosim?tag=limettekinder-21&linkCode=sb1&camp=2382&creative=8450

 

Endlich! Wir leben ewig!

Gefällt mir überhaupt nicht Ich hatte einen Freund. Wie man heute so Freunde hat. Wir haben gegenseitig unsere Posts auf Facebook geliked, uns die Hand geschüttelt, wenn wir uns mal irgendwo trafen, im Kino oder in der Kneipe, luden uns gegenseitig zu unseren jeweiligen Veranstaltungen ein und kannten uns eigentlich nicht. Dieser Freund ist jetzt gestorben. Ich habe es vor ein paar Tagen in der Zeitung gelesen. Mausetot. Schluss. Aus. Fertig. Ich war ein bisschen betrübt.  Ungeachtet dessen, teilt mir Facebook weiterhin jeden Tag mit, was Matthias (Name geändert) so alles mag. Harley Davidson, Marlene Dietrich, Rot-Weiss Essen. Das macht mir ein recht unbehagliches Gefühl. Matthias ist tot, aber er lebt.  Aber, vielleicht ist meine Sicht der Dinge auch einfach zu wenig ganzheitlich. Vielleicht ist das mit dem Sterben ja ganz anders als wir denken. Ja, es muss sogar so sein: Wir können auch von drüben posten, uns zum Geburtstag gratulieren und während des eifrigen Jubilierens auch mal Facebook checken. Das ist doch sehr beruhigend.  Wenn ich also irgendwann als 90-Jähriger von meinen Urenkeln darauf hingewiesen werden, dass ich der letzte Dinosaurier bin, der noch ein Smartphone benutzt, werde ich in mich hinein lachen und sagen: „Liebe Kinder, ich habe hier einen ganz heißen Draht ins Jenseits. Fast alle meine Freunde sind gestorben, aber, man teilt mir immer noch jeden Tag mit, was ihnen gefällt! So schlimm kann es mit dem Sterben also nicht sein.