Essen krachledern

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Ja, wir im Ruhrgebiet waren schon immer wagemutig und vorneweg, wenn es darum ging, Werte wie Menschlichkeit zu verteidigen oder eine neue Form der Verköstigung auszuprobieren! Als traditioneller „Melting Pot(t)“ haben wir bereits früh schlesische und ostpreußische Einflüsse integriert, später dann türkische, italienische und spanische. Döner, Pizza, Pasta nennen wir in einem Atemzug mit Pommes rot-weiß. Multikulti? Kein Thema! Wir sind multikulti, aber sowas von!

So dachten sich das wohl auch die Leute, die nun eine echte kulturelle Herausforderung ins Ruhrgebiet gebracht haben: das Oktoberfest.

 Das Oktoberfest ist der Höhepunkt im rituellen Leben eines Bayern: Dirndl, Weißwurscht und Schweinshaxn. Blasmusik, Brezen und Bierportionen in Eimergröße. Ausgelassene Fröhlichkeit. Mia san mia und das alles mitten in Essen. Oijoijoijoijoi …

 Das ist die ultimative Öffnung des Ruhrgebiets hin zu einer ihm völlig fremden Kultur, Sprache, und last, but not least: einer völlig unverständlichen Art, Fußball zu spielen. Geniale Pässe. Offensivster Offensivfußball internationaler Akrobaten und Akteure. Nicht dass ich hier ein Loblied auf den FC Bayern München singen will, nur im Vergleich mit den üblichen Reviermannschaften ist sein Stil ein Kulturschock. (Man könnte auch sagen: Sein Spiel funktioniert. Es guardiolat, was bedeutet, es ist elegant, spricht mit einem unverständlichen spanischen Akzent, ist schön und schrecklich zugleich.) So lasst uns also zur Essener Wiesn guardiolen!

 Nach einer aufwendigen Recherche zum Thema „Dirndl-Codes“ bin ich mir immer noch nicht sicher, welche Informationen Brauchtum und welche einfach Mumpitz sind. Deshalb schlage ich einen eigenen Ruhrgebiets-Wiesn-Dirndl-Schleifen-Code vor:

  • Rosa: Achtung, ich bin eigentlich ein Mann.
  • Blau-weiß: Vorsicht! Ich kann zwar Bier trinken, bin aber für Schalke!
  • Schwarz-gelb: Ich dachte, hier laufen auch Borussen rum.
  • T-Shirt mit Förderturm drauf: Tut mir leid, ich bin eigentlich eine japanische Touristin und habe mich auf der Suche nach dem Weltkulturerbe Zollverein verlaufen.
  • Alle anderen: Ist mir alles schnurzpiepe, lasst uns einfach Spaß haben! (Ob man den auch findet, ist eine andere Frage …)

 

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Endlich! Wir leben ewig! Teil 2

 Gefällt mir überhaupt nicht  Ihr erinnert euch sicher, neulich schrieb ich über einen verstorbenen Freund (Blog „Endlich! Wir leben ewig!“). Heute teilte mir Facebook mit, dass dieser Freund Geburtstag hat. Drüben bleiben die Gepflogenheiten scheinbar so wie hier. Oder man behält zumindest die engeren, persönlichen Jubiläen bei.

Habe daher beschlossen Freund M. per Facebook-Messenger zu schreiben, müsste ja funktionieren.

 Lieber M.,

ich hoffe, es geht dir gut. Bei mir ist alles prima. Das Wetter könnte besser sein! Wie ist es drüben denn so? Habt ihr geregelte Dienstzeiten? Also, ist pünktlich um 17:00 Uhr Schluss mit Halleluja? Oder ist der Alte streng? Dürft ihr Pausen machen? Und was ist mit den Sonntagen? Schick mir Neuigkeiten! Oder hängst du irgendwo im Nirwana rum und schwingst fröhlich vor dich hin? Oder, bist du vielleicht doch bei den ‚Hells Angels’ gelandet? Hoho. Hörst jetzt den ganzen Tag AC/DC. Das täte mir leid. Könnte dir Ohrstöpsel schicken. Mail mir deine neue Adresse! Hab ja immer gesagt: bleib anständig, sei nett zu deinen Mitmenschen. Einmal falsch abgebogen lässt sich schlecht wieder korrigieren…

Herzliche Grüße! J.

P.S. Literatur zum Thema ;-): http://www.amazon.de/dp/3000168362/ref=nosim?tag=limettekinder-21&linkCode=sb1&camp=2382&creative=8450

 

Endlich! Wir leben ewig!

Gefällt mir überhaupt nicht Ich hatte einen Freund. Wie man heute so Freunde hat. Wir haben gegenseitig unsere Posts auf Facebook geliked, uns die Hand geschüttelt, wenn wir uns mal irgendwo trafen, im Kino oder in der Kneipe, luden uns gegenseitig zu unseren jeweiligen Veranstaltungen ein und kannten uns eigentlich nicht. Dieser Freund ist jetzt gestorben. Ich habe es vor ein paar Tagen in der Zeitung gelesen. Mausetot. Schluss. Aus. Fertig. Ich war ein bisschen betrübt.  Ungeachtet dessen, teilt mir Facebook weiterhin jeden Tag mit, was Matthias (Name geändert) so alles mag. Harley Davidson, Marlene Dietrich, Rot-Weiss Essen. Das macht mir ein recht unbehagliches Gefühl. Matthias ist tot, aber er lebt.  Aber, vielleicht ist meine Sicht der Dinge auch einfach zu wenig ganzheitlich. Vielleicht ist das mit dem Sterben ja ganz anders als wir denken. Ja, es muss sogar so sein: Wir können auch von drüben posten, uns zum Geburtstag gratulieren und während des eifrigen Jubilierens auch mal Facebook checken. Das ist doch sehr beruhigend.  Wenn ich also irgendwann als 90-Jähriger von meinen Urenkeln darauf hingewiesen werden, dass ich der letzte Dinosaurier bin, der noch ein Smartphone benutzt, werde ich in mich hinein lachen und sagen: „Liebe Kinder, ich habe hier einen ganz heißen Draht ins Jenseits. Fast alle meine Freunde sind gestorben, aber, man teilt mir immer noch jeden Tag mit, was ihnen gefällt! So schlimm kann es mit dem Sterben also nicht sein.