Essen 2017 – Der Grüne Hauptstadt-Krimi

Besetzte Baumhäuser in Holsterhausen. Ein politischer Gefangener des autonomen Zentrums Frohnhausen. Ein verschwundener Schrebergärtner aus der Siedlung „Friedlicher Nachbar“. Palmen am Baldeneysee, wie an der Croisette. Wie hängt das alles zusammen? Und was hat der Twitter-Account „The Real Hot Dog“ damit zu tun? Toni Hasenäcker und Kalle Krusenberg ermitteln wieder!

KRIMMINI gärtnert

„Essen ist nicht wieder zu erkennen. Die Stadt, ein einziger Garten Eden. Ein Meer aus Blumen. Der Nominierung zur Grünen Hauptstadt Europas 2017 sei Dank. Bei so viel Gutem kann das Böse natürlich nicht fehlen. Somit war die Verwandlung der Region eine Steilvorlage für uns. Und, nein, wir machen jetzt keinen Gärtnerwitz. Obwohl … Uns war sofort klar, dass in der Idee der Grünen Hauptstadt jede Menge kriminelle Energie steckt, dem sind wir in gewohnt lässiger Krimmini-Art nachgegangen. Und schon war der achte Band unserer Ruhrgebietskrimireihe fertig“, erzählen die beiden Essener Krimiautoren Arnd Rüskamp & Jörg Stanko, während sie miteinander Stiefmütterchen pflanzen.

KRIMMINI Ruhr 8. Die Fälle

 The Real Hot Dog
„Rudi, Gefangener des autonomen Zentrums Frohnhausen“, hat jemand auf eine Pappe geschrieben. Die Essener Polizei will aber trotz eines Bekenner-Handyfotos partout nicht ermitteln. Rudis Frauchen ist zutiefst erschüttert und wendet sich vertrauensvoll an Kalle Krusenberg. Ein Fall, wie für ihn gemacht. Der Ermittler in seinem ersten Hundefall, in dem Twitter-Accounts, ein Revoluzzer, die Ruhr und wahre Liebe wichtige Rollen spielen.

Friedlicher Nachbar 
„Dat echte Grün“ grünt jenseits der Essener Stadtgrenzen. Behauptet zumindest Ingo Schrettke, der die Siedlung „Friedlicher Nachbar“ nicht nur mit Primeln aufgehübscht, sondern auch das Interesse der internationalen Presse geweckt hat. Toni Hasenäcker naht samt Pressetross, doch Ingo verschwindet plötzlich von der Bildfläche. Hat etwa der Projektleiter „Grüne Hauptstadt“ den missliebigen Konkurrenten aus dem Weg geräumt?

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KRIMMMINI, RUHR  8; von: Arnd Rüskamp und Jörg Stanko,

4,95 €, ISBN 978-3-937787-55-8, im Handel ab 1.9.17

KRIMMINI Tourdaten 

16. September (19:00 Uhr), KUBIG400 (Grugapark), Lesung Krimmini Ruhr 8

17. Oktober (19:30 Uhr), Die Potteery, Hattingen, Lesung Krimmini Ruhr 8

08. November (19:00 Uhr): Schimanski-Town: Duisburg-Ruhrort, Zum Anker, Lesung Krimmini Ruhr 4

22. November (15:00 Uhr): Düsseldorf, zentrum plus /DRK Friedrichstadt: Lesung der KRIMMINI-Reihe. Im Rahmen des Düsseldorfer Kulturherbstes.

13. Dezember (19:00 Uhr) Bürgertreff Ruhrhalbinsel e.V., Essen-Überruhr, Lesung Krimmini Ruhr 8, mit Musik

Infos: www.krimmini.de

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Der Duft von Urmel aus dem Eis

Und dann war da neulich noch die Lesung, über die ich schon so länger mal schreiben wollte. Also, die war gut! ;-).

Wirklich in Erinnerung geblieben ist mir aber diese kleine katholische Bücherei, die mich berührt hat, und, wäre ich ein Fantasy-Autor, würde ich jetzt „verzaubert“ schreiben. Regale voller Bücher. Linoleumboden. Stille. Ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben ist. Mit einem Geruch aus meiner Kindheit und frühen Jugend. Vielleicht sogar dem Geruch meiner Kindheit. Dem nach alten Büchern, Urmel aus dem Eis, den drei Fragezeichen und den Abenteuern von Klaus Störtebeker, nach Staub und einer etwas antiquierten, oft schrullig gelebten Belesenheit älterer Damen.

Ich habe mich plötzlich wieder ganz jung gefühlt. Ganz klein. Unbelesen, aber voller Neugier auf die Welt.  Und ich habe die Versprechen der Bücher gespürt, nach einem aufregenden Leben. Mit zwölf war das täglich so. Fast stündlich. Heute nur noch selten. Wenn ich Fred Vargas lese, oder Knausgard. Bei dem ist es aber eher intensiv, weniger abenteuerlich.

In dieser kleinen Bücherei durfte ich mich auf meine Lesung vorbereiten. Ohne Internet. Ohne Handy. Ich habe mich in einer halben Stunde besser vorbereiten können, als an einem ganzen Nachmittag zu Hause. Die meditative Ruhe der „es gab auch mal eine Zeit ohne Internet“-Vergangenheit. Irgendwie auch anachronistisch. Aber schön.

Ich werde mir dort jetzt alle paar Wochen mal ein Urmel Buch ausleihen. Nur so fürs Gefühl.

 

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Jede Menge freundlicher Beistand von „oben“ war auch da. Direkt im Regal hinter mir.

 

Ah … Bilder von der Lesung …

Vom dem würde ich doch gerne mal ein Buch kaufen …

Was schreibt der denn noch so …

 

Essen krachledern

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Ja, wir im Ruhrgebiet waren schon immer wagemutig und vorneweg, wenn es darum ging, Werte wie Menschlichkeit zu verteidigen oder eine neue Form der Verköstigung auszuprobieren! Als traditioneller „Melting Pot(t)“ haben wir bereits früh schlesische und ostpreußische Einflüsse integriert, später dann türkische, italienische und spanische. Döner, Pizza, Pasta nennen wir in einem Atemzug mit Pommes rot-weiß. Multikulti? Kein Thema! Wir sind multikulti, aber sowas von!

So dachten sich das wohl auch die Leute, die nun eine echte kulturelle Herausforderung ins Ruhrgebiet gebracht haben: das Oktoberfest.

 Das Oktoberfest ist der Höhepunkt im rituellen Leben eines Bayern: Dirndl, Weißwurscht und Schweinshaxn. Blasmusik, Brezen und Bierportionen in Eimergröße. Ausgelassene Fröhlichkeit. Mia san mia und das alles mitten in Essen. Oijoijoijoijoi …

 Das ist die ultimative Öffnung des Ruhrgebiets hin zu einer ihm völlig fremden Kultur, Sprache, und last, but not least: einer völlig unverständlichen Art, Fußball zu spielen. Geniale Pässe. Offensivster Offensivfußball internationaler Akrobaten und Akteure. Nicht dass ich hier ein Loblied auf den FC Bayern München singen will, nur im Vergleich mit den üblichen Reviermannschaften ist sein Stil ein Kulturschock. (Man könnte auch sagen: Sein Spiel funktioniert. Es guardiolat, was bedeutet, es ist elegant, spricht mit einem unverständlichen spanischen Akzent, ist schön und schrecklich zugleich.) So lasst uns also zur Essener Wiesn guardiolen!

 Nach einer aufwendigen Recherche zum Thema „Dirndl-Codes“ bin ich mir immer noch nicht sicher, welche Informationen Brauchtum und welche einfach Mumpitz sind. Deshalb schlage ich einen eigenen Ruhrgebiets-Wiesn-Dirndl-Schleifen-Code vor:

  • Rosa: Achtung, ich bin eigentlich ein Mann.
  • Blau-weiß: Vorsicht! Ich kann zwar Bier trinken, bin aber für Schalke!
  • Schwarz-gelb: Ich dachte, hier laufen auch Borussen rum.
  • T-Shirt mit Förderturm drauf: Tut mir leid, ich bin eigentlich eine japanische Touristin und habe mich auf der Suche nach dem Weltkulturerbe Zollverein verlaufen.
  • Alle anderen: Ist mir alles schnurzpiepe, lasst uns einfach Spaß haben! (Ob man den auch findet, ist eine andere Frage …)

 

Endlich! Wir leben ewig! Teil 2

 Gefällt mir überhaupt nicht  Ihr erinnert euch sicher, neulich schrieb ich über einen verstorbenen Freund (Blog „Endlich! Wir leben ewig!“). Heute teilte mir Facebook mit, dass dieser Freund Geburtstag hat. Drüben bleiben die Gepflogenheiten scheinbar so wie hier. Oder man behält zumindest die engeren, persönlichen Jubiläen bei.

Habe daher beschlossen Freund M. per Facebook-Messenger zu schreiben, müsste ja funktionieren.

 Lieber M.,

ich hoffe, es geht dir gut. Bei mir ist alles prima. Das Wetter könnte besser sein! Wie ist es drüben denn so? Habt ihr geregelte Dienstzeiten? Also, ist pünktlich um 17:00 Uhr Schluss mit Halleluja? Oder ist der Alte streng? Dürft ihr Pausen machen? Und was ist mit den Sonntagen? Schick mir Neuigkeiten! Oder hängst du irgendwo im Nirwana rum und schwingst fröhlich vor dich hin? Oder, bist du vielleicht doch bei den ‚Hells Angels’ gelandet? Hoho. Hörst jetzt den ganzen Tag AC/DC. Das täte mir leid. Könnte dir Ohrstöpsel schicken. Mail mir deine neue Adresse! Hab ja immer gesagt: bleib anständig, sei nett zu deinen Mitmenschen. Einmal falsch abgebogen lässt sich schlecht wieder korrigieren…

Herzliche Grüße! J.

P.S. Literatur zum Thema ;-): http://www.amazon.de/dp/3000168362/ref=nosim?tag=limettekinder-21&linkCode=sb1&camp=2382&creative=8450

 

Hitze, Sommer, GlücksSommer!

 Temperatur_Foto  Alle beklagen sich über die Hitze. Verstehe gar nicht warum. Ich finde sie prima! Bin total entspannt. Fühle mich wie ein Italiener. Mein Beitrag zum Weltfrieden: Be it, feel it! Bestelle Espresso. Morgen versuche ich mal Kuwaiti.

 Meine Friseurin bewässert ihre Unterarme zur Abkühlung im Haarwaschbecken. Sehe nach Verlassen des Salons so aus, wie mein Opa auf einem Bild aus den 1930er-Jahren. Den späten. Trage zum Glück keine Uniform. Menschen unter 25 würden wahrscheinlich sagen, ich sehe jetzt aus wie Lewis Holtby. Ich denke an Stalingrad. Aber nur kurz. Bin ja heute Italiener. Bestelle schwungvoll einen zweiten Espresso.

 Werde den Rest des Tages wohl doch im Haus verbringen. Haben zum Glück gestern die neue Staffel von Downton Abbey gekauft. Die nächsten drei Kinonächte sind also gerettet. (Achtung, dieser Blog arbeitet mit Produktplatzierungen.) Sollte mir mal die Frage stellen, warum ich mich eigentlich mit dem Chauffeur identifiziere und nicht mit seiner Lordschaft.

Könnte jetzt noch auf Urlaubslektüren-Problematik kommen, GlücksSommer und Männer mit kalten Füßen empfehlen. Äußerst geeignet für Strand, Provence oder Toskana. Kommen ganz ohne mürrische norwegische Polizisten aus. Auch weit und breit keine Leichen. Nur Luft und Liebe, sympathische Helden, Romantik pur. Alles was Mensch zur Erholung und Besinnung braucht … das war jetzt keine Produktplatzierung. Das war die Wahrheit.

 Schönen Tach noch! 😉

 

 

 

 

Endlich! Wir leben ewig!

Gefällt mir überhaupt nicht Ich hatte einen Freund. Wie man heute so Freunde hat. Wir haben gegenseitig unsere Posts auf Facebook geliked, uns die Hand geschüttelt, wenn wir uns mal irgendwo trafen, im Kino oder in der Kneipe, luden uns gegenseitig zu unseren jeweiligen Veranstaltungen ein und kannten uns eigentlich nicht. Dieser Freund ist jetzt gestorben. Ich habe es vor ein paar Tagen in der Zeitung gelesen. Mausetot. Schluss. Aus. Fertig. Ich war ein bisschen betrübt.  Ungeachtet dessen, teilt mir Facebook weiterhin jeden Tag mit, was Matthias (Name geändert) so alles mag. Harley Davidson, Marlene Dietrich, Rot-Weiss Essen. Das macht mir ein recht unbehagliches Gefühl. Matthias ist tot, aber er lebt.  Aber, vielleicht ist meine Sicht der Dinge auch einfach zu wenig ganzheitlich. Vielleicht ist das mit dem Sterben ja ganz anders als wir denken. Ja, es muss sogar so sein: Wir können auch von drüben posten, uns zum Geburtstag gratulieren und während des eifrigen Jubilierens auch mal Facebook checken. Das ist doch sehr beruhigend.  Wenn ich also irgendwann als 90-Jähriger von meinen Urenkeln darauf hingewiesen werden, dass ich der letzte Dinosaurier bin, der noch ein Smartphone benutzt, werde ich in mich hinein lachen und sagen: „Liebe Kinder, ich habe hier einen ganz heißen Draht ins Jenseits. Fast alle meine Freunde sind gestorben, aber, man teilt mir immer noch jeden Tag mit, was ihnen gefällt! So schlimm kann es mit dem Sterben also nicht sein.

Atemlos durch die … nee!

ICE180615 On the road to München. Ja, als Autor kommt man rum! Morgen wichtiger Termin, danach Wanderung zum Kloster Andechs! Habe mir extra neue, kleidsame Wanderschuhe mit Gel-Sohle gekauft („These boots are made for walking!“) und gestern einen Obsttag gemacht (wg. Leberkäs und Münchner Hellem). Sollte vielleicht doch mal meinen Testosteron-Spiegel untersuchen lassen.

Wollte auch meine Krachlederne anziehen. Passt aber nicht mehr. Bin seit meinem zwölften Lebensjahr also doch noch gewachsen.

 Essen Hauptbahnhof. Suche nach Marschverpflegung. Seltsames Wort. Schreibe besser „Proviant“, oder, noch besser: Reiseverpflegung. In der Auslage der Bäckerei ist ein Hinweisschild: Das Schoko-Croissant ist vegetarisch! Dass überzeugt mich! Kaufe also vegetarisches Schoko-Croissant.

 Wahrscheinlich kann es auch nicht schaden, ein paar Fitness-Riegel mitzunehmen. Besuche also noch die Drogerie vor Ort. Es gibt Fitness-(mit zugesetzten Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen), Molke- und Proteinriegel. Nichts für entscheidungsschwache Menschen. Entscheide mit nach längerer Reflexionsphase für Fitness- und Molkeriegel. War wahrscheinlich falsch. Wenn meine Wadenmuckis morgen die Berge besteigen müssen, werden sie sich bestimmt nach Proteinen sehnen und mir zukrampfen: „Alter, was sollen wir jetzt mit der Molke?“

 Im ICE. Mir gegenüber sitzt ein Mann, der eine – mir völlig unbekannte – Zeitung liest. Schlagzeile: Felix Magath geht zu 1860 München. Fein, vielleicht treffe ich ihn heute Abend irgendwo und wir können uns zünftig ein paar Medizinbälle zuwerfen. Würde natürlich auch ein Selfie mit ihm machen. Text: Mit Felix beim Training.

Mein Gegenüber blättert um: Jogi Löw bekennt: „Ich höre Country und Helene Fischer“. Pfff. Da fällt selbst den hartgesottensten Blogger nix zu ein. „Weltmeister trotz Helene Fischer?“ Nee, ditte kann ich nicht schreiben. Wer weiß schon, wie viele meiner Leser und Leserinnen Helene Fischer hören? Irgendwie ist sie ja auch dicht dran an den Menschen. Sind wir nicht alle schon mal atemlos durch die Nacht gezogen? Okay, sollte das Thema wechseln, ist unergiebig.

 Eine nette Zugbegleiterin kommt mit einem Kaffee. Werde dazu mein vegetarisches Schoko-Croissant essen. Es ist sooo einfach gesund zu leben!

 P.S. Auch heute gibt es wieder eine Mitmach-Aktion: Meine Romane gibt es natürlich auch als E-Books. Für schlappe 2, 99 Euro! Also, nix wie ran an den Download!

 http://astore.amazon.de/limettekinder-21?_encoding=UTF8&node=6

Schnell, aber schön, und ich bin um eine Erfahrung reicher!

SchmeiliAls Blogger wird man ja heute geradewegs von Themen überschüttet. Ein kurzer Blick in die Tageszeitung genügt (Memo: bei Tageszeitung anrufen und über Anzeigen auf Blog verhandeln): Die arme Studentin Tanja F. flog nach der ersten Frage bei „Wer wird Millionär?“ raus. „Schnell, aber schön, und ich bin um eine Erfahrung reicher“, waren ihre letzten Worte. Sie war der Meinung, dass „seit jeher Riesen Schnauzer haben.“ Also ehrlich, so viel Bekennermut muss jetzt aber mal sein: Das hätte mir auch passieren können! Wer regelmäßig illustre, fantasieanregende Romane liest, Harry Potter zum Beispiel, die Sagen um den Schrat Rübezahl oder „Rotmütz der Zwerg“ (von Astrid Pomaska, übrigens sehr zu empfehlen!) dem kann so was schon mal passieren!

 Somit wäre ich beim nächsten Tagesgedanken (heute schon der zweite!): Ich könnte einen Blog über die kleinen Dinge des Lebens schreiben, das kommt bestimmt an, ach, der Stanko spricht mir aus dem Herzen, und so weiter …, wen interessieren schon die großen Fragen: Woher komme ich? Wohin gehe ich? Und was gibt es dort zu essen?

Die kleinen sind doch viel interessanter: Warum bewerbe ich mich nicht bei Günter Jauch, obwohl ich so einiges weiß?

Ich kenne den Vornamen von Kierkegaard, wüsste den Spitznamen von Rudi Völler und könnte mich wahrscheinlich auch dran erinnern, das der Rhein in die … okay, diesen Bereich lassen wir besser aus. Mal ganz im Vertrauen: mein persönlicher Horror wäre so eine typische Geografie-Frage: „Durch welche Länder muss man mit dem Tretroller fahren, wenn man in Berlin startet, in Kairo rastet und in Ohio ein Bier trinken will? Durch die Mongolei dürfen Sie nicht. Und durch Syrien … nun ja, was in Syrien los ist, weiß ja jeder. Machen Sie mal lieber einen Bogen um Syrien. Die Kunst des Abschweifens. (Memo Nummero zwei: Nachschauen, ob der Blog auch irgendwo Emojis hat.) Grinse-Smilie! Nee, ist doch eher peinlich. Keinen Blog mit Grinse-Smilies!

 Heute hat übrigens meine persönliche Finanzamtssachbearbeiterin angerufen. Jawohl! Eine sehr nette Frau mit Doppelnamen, wirklich, sehr nett! Warum ich bei der Anmeldung der Umsatzsteuer-Vorauszahlung die Kästchen 81 und 84 ausgefüllt hätte, aber das Kästchen 66 bis 69 nicht, wollte sie von mir wissen. „Och“, hab ich gesagt, „das hat mir mein Steuerberater so geraten“ (stimmt sogar). Mit der Antwort war sie gar nicht zufrieden. Ich müsste doch wahrscheinlich weniger zahlen, wenn ich die Kästchen 66 bis 69 ausfüllen würden. Das mag schon sein, aber auf allen Rechnungen über Briefmarken, Druckerpapier, Bücher u.s.w. die kleinen Steuerbeträge raussuchen, nun ja, für manche Menschen mag das eine gelungene Freizeitbeschäftigung sein…

Liebe Frau Sachbearbeiterin, ich hoffe, Sie sehen es mir nach! Ich freue mich schon auf Ihren nächsten Anruf! Niemand kann so schön und schnell wie Sie „abziehbare Vorsteuerbeträge“ sagen. Ehrlich!

 P.S. Heute gibt es noch eine Mitmach-Aktion. Wirklich! Die Frage, die ihr beantworten müsst: Welchem meiner Freunde könnte ich einen Roman von Jörg Stanko schenken? Habt ihr einen gefunden? Na dann los!

Erster!

BlogJetzt bloggt er auch noch. Jawoll!

Das Schöne am Schriftstellerdasein ist es ja, sein Innerstes nach außen zu kehren und die Mitwelt daran teilhaben zu lassen, wie es sich anfühlt, da drinnen, direkt „im Poeten“ sozusagen, in einem Fein- und Schöngeist. Nun, der dachte gerade unter der Dusche: mach doch mal eine Liste und schreib auf, was für und was gegen einen Blog spricht. Also, dafür: ich kann auf der nächsten Party anführen, dass ich Blogger bin, mir einen lässigen Vollbart stehen lassen und Mädels beeindrucken, über Modetrends in New York schreiben und angesagte Läden im Ruhrgebiet. Und unauffällig weise ich darauf hin, dass ich ja auch Romane schreibe, die noch viel witziger sind, als meine Blogbeiträge … und tiefsinniger, philosophischer, erhabener …

Dagegen: die Fanpost von pensionierten Oberstudienräten, die anbieten, dem Literaten die Kommaregeln beizubringen.

Dafür: Darüber schreiben zu können, wie schön es ist, im Straßencafé zu sitzen und darüber nachzudenken, ob es nun Straßencafé oder Straßen-Café heißt und zu der Meinung kommen: ist mir schnurzpiepe, aber da hab ich doch schon mal wieder ein Thema für meinen Blog.

Dagegen: schwierige Recherchen zum Thema „Der Blog“ oder „Das Blog“; Entscheidung: „Blog“. Mit leichter Bevorzugung von „Das Blog“. Logbuch.

Windstärke 7-12, Windrichtung Nord-Nordwest, ich sehe Moby Dick. Wir sind dicht dran. Das war sein letzter Eintrag. Böser Wal.

Vielleicht doch „Der Blog“.

Dagegen: Fanpost von pensionierten Oberstudienräten, die anbieten, auch weitere Teilgebiete der deutschen Grammatik mit mir einzuüben.

Erinnere mich kurz an meinen Nachhilfelehrer in Mathe. War ein Doktor der Chemie. Hat mir nicht viel beibringen können. Hat mir aber immer vorzügliche Schokolade serviert und selbst reichlich davon gegessen. Faden verloren. Ach ja, bloggen.

Harry Rowohlt ist gestorben. Ganz traurig. Könnte blödes Wortspiel machen: Harry ruht hoffentlich wohl. Lasse ich lieber. Ein bisschen Gemurmel: großes Vorbild, starker Mann des Wortes! Steht auf meiner Vorbilder-Liste ungefähr auf Platz sieben, direkt hinter Pu der Bär. Das war jetzt kalauerverdächtig. Also, noch mal, ganz im Ernst: Ich bin wirklich traurig! Lang lebe Harry Rowohlt! Wir halten dich in Ehren!

So, halbe Seite geschafft, war gar nicht so schlimm. Vielleicht müsste ich noch was Tiefsinniges schreiben. Kann ich aber auch morgen machen. Nehme mir ja vor, regelmäßig zu bloggen.

Doch „Das Blog“! Damit kann man Zeilen füllen: Es regnet. Schon den ganzen Tag. Gestern hat es auch geregnet. Vorgestern? Kann ich mich nicht mehr dran erinnern.

Eindeutig dagegen: Post von pensionierten Oberstudienräten: Herr Stanko, ihr Blog hat keinen Inhalt.

Auch dagegen: die pensionierten Oberstudienräte könnten recht haben. Dilemma. Gehe erst mal Kaffee kochen.